Der Wille zum Schicksal: Die Heilslehre des Hert Hellinger

Zur Kritik von/an Wilfried Nelles


Als einziger unter den Wortführern der Hellinger-Institits - sieht man von dem eilig wieder zurückgezogenen Statement Franz Rupperts und dem Editorial in "Praxis der Systemaufstellung" ab - hat der Freibuger Familienaufsteller Wilfried Nelles (www.wilfried-nelles.de)  zu der bei Goldner et al. vorgetragenen Kritik öffentlich Stellung bezogen. Er tat dies in Gestalt eines eigenen Büchleins, das unter dem Titel "Das Helinger-Prinzip: Informationen und Klärungen" im Juli 2003 im Herder-Verlag, Freiburg, erschien.

Im hellinger.com-Forum wurde dieses Büchlein besprochen. Es wurde dabei alles gesagt, was zu sagen war, eine weitere Besprechung erübrigt sich.

 


Anti-Anti-Hellinger-Buch von W.Nelles
Tina - Mit, 24.09.2003
Titel: Anti-Anti-Hellinger-Buch von W.Nelles 

Angekündigt und beworben wurde das Büchlein von Wilfried Nelles als "Gegenbuch" zu dem Anfang 2003 erschienenen Hellinger-kritischen Sammelband "Der Wille zum Schicksal" (Ueberreuter, Wien), hrsg. von Colin Goldner. Herausgekommen ist das, was man sich von einem getreuen Gefolgsmann des Bert Hellinger erwartet: eine simple Auflistung all der Vorzüge und positiven Wirkeffekte des Hellingerschen Familienstellens, so wie man es in dutzenden anderer Veröffentlichungen Hellingers und seiner Anhänger bis zum Überdruß schon serviert bekam. Die angekündigte Auseinandersetzung mit der von Goldner und 18 weiteren hochkarätigen AutorInnen vorgebrachten Kritik an Hellinger und seinem Verfahren findet auf keiner Seite des dünnbrüstigen Nelles-Büchleins - man merkt deutlich, unter anderem an katastrophalen Satzfehlern, daß es schnellschnell auf den Markt gebracht werden mußte - statt. 

Stattdessen das gewohnte Wiederkäuen der altbekannten Behauptungen und ewiggleichen Fallbeispiele. Das Goldner et-al.-Buch wird auf gerade mal einer dreiviertel Seite abgehandelt, die Rede ist von Diffamie, von Profilierungsversuchen, von nur vorgeblicher, also nicht wirklicher Wissenschaftlichkeit, gar von Geheimdienstmanier. Es sei insofern "eine Auseinandersetzung (nicht) mehr möglich, und ich (Nelles) werde daher auch nicht weiter darauf eingehen". Punktum (15f.). Nur einmal noch geht Nelles auf das Goldner et al.-Buch ein, wieder eine knappe dreiviertel Seite, indem er dessen Titel "Der Wille zum Schicksal" als "von der Intention her (...) infam" schilt, denn "er (der Titel) stellt eine suggestive Verknüpfung von Hellinger, Nietzsche und Hitler dar". Warum? "Eines von Nietzsches wichtigsten Werken hieß 'Der Wille zur Macht'. Darauf hat die Nazi-Ideologie Bezug genommen..." Ein paar Zeilen weiter schreibt er dann: "Aber natürlich ist der Titel auch treffend, denn die Hellinger-Arbeit zeigt tatsächlich, dass wir genau dadurch in Einklang mit uns selbst kommen, dass wir unserem Schicksal zustimmen" (134f.). 

Wilfried Nelles, bekannt als Osho-Rajneesh-Anhänger unter dem sekteninternen Namen Swami Amano Wilfried, hat sich und die Hellinger-Bewegung mit diesem Büchlein nicht einen Millimeter der Kritik enthoben, in der sie sehr zu Recht und in zunehmendem Maße steht. Zu einer sinnvollen Auseinandersetzung trägt es ohnehin nicht bei. 

Nelles, W.: Das Hellinger-Prinzip: Informationen und Klärungen. Herder: Freiburg, 2003 

 


Anti-Anti-Hellinger-Buch von W.Nelles
Egon - Mit, 24.09.2003 
Titel: Ergänzung 

Nellers bringt kein einziges wörtliches Zitat, nennt keine einzige Seitenzahl, wo man was nachlesen kanne, nennt keinen einzigen Kritiker mit Namen (möglicherweise hab ich eine Ausnahme übersehen), bringt keine einzige Argumentationskette in indirekter Rede... 

Das Literaturverzeichnis nennt keinen einzigen Titel eines Kritikers, nicht mal den Titel "Wille zum Schicksal"... 

Nelles war zur Zeit meines Studiums in Bonn Dozent am politologischen Seminar der Uni. Uns Studenten hätte er irgendeine Seminararbeit mit 6 zurückgeben müssen, wenn wir nur formal einen ähnlichen Text abgeliefert hätten. 

Es hat meines Wissens nach keiner eine 6 bekommen; hat sich wohl keiner getraut, den üblichen Standard so zu unterschreiten, wie Nelles in seinen neuen Buch. 

Ergänzende Info: Nelles war leitender Dozent für Partizipationsforschung am Seminar. Seine damaligen Aufsätze und Veröffentlichung waren formal gut im Standard. 

Wie man sieht: Das Wechseln des Faches (des Namens und der Weltanschaung) führt dazu, dass die wenig anspruchsvollen Regeln der "politischen Wissenschaft" noch deutlich unterschritten werden können. 

Soll ich versuchen mir das zu erklären? 


Anti-Anti-Hellinger-Buch von W.Nelles
Eberhard - Don, 25.09.2003 
Titel: 

Was wollt Ihr eigentlich Ihr Pharisäer ? 

Erst beschwert Ihr Euch, daß sich niemand auf das Goldner Buch hin äußert, und nun kritisiert Ihr, daß er sich nicht der Goldnerschen Polemik anschließt, sondern dagegen hält (auf seine Weise). 

a) Wer nicht gegen Hellinger ist, muß für ihn sein und ist daher immer im Unrecht. 
b) Goldner denkt und handelt wissenschaftlich und vernünftig, also muß jeder wissenschaftlich und gebildete Mensch für Goldner sein und muß daher gegen Hellinger sein. Wer dies nicht ist, denkt und handelt weder wissenschaftlich noch vernünftig. 

Eine solche Logik kann ich mithilfe von drei bis vier Logikbausteinen aus ein paar NAND und NOR Gattern zusammenbauen. Gesamtwert dieses elektronischen "Superhirns" ca. 98 Cent. 

 


Anti-Anti-Hellinger-Buch von W.Nelles
Egon - Don, 25.09.2003
Titel:

Hallo Eberhard, ich kritisiere an Nelles nicht, dass er Hellinger verteidigt oder dass er Goldner angreift, es geht mir um das wie. 

Ich forderne nicht, dass Nelles sich der Goldner-Sicht anschließt, sondern dass er übliche Standards anhält. 

Ein solcher Standard ist, das man wenigstens sagt, was man kritisiert. Das kann oder will Nelles nicht. 

Der Anspruch des Buches von Nelles ist im Untertitel formuliert. Zitat: Das Hellinger-Prinzip. Informationen und Klärungen.

Informationen und Klärungen zur Hellinger-Kritik kann ich im Buch nicht finden, da die Kritik garnicht wahrgenommen wird. 

Auf der Seite http://www.hellinger.com/mediashop/themen/weiterbildung.shtml heißt es zum Buch: Zitat: Das Buch richtet sich zunächst an Interessenten der Aufstellungsarbeit, die durch die kritische bis teilweise herabsetzende Hellinger-Rezeption in der Öffentlichkeit verunsichert sind. In der ihm eigenen Verbindung von lockerem Erzählstil und großer analytischer Klarheit liefert Wilfried Nelles eine kompakte Einführung in die wichtigsten Themen der Aufstellungsarbeit, räumt Irrtümer und Missverständnisse aus, zeigt, wo Fallen und Gefahren liegen, und beschreibt die Entwicklung der Arbeit von den Anfängen bis zu Hellingers neuer Seelenarbeit.

Wie man zu dieser Einschätzung kommen kann, ist mir schleierhaft. (...)


Auch zu dem Hellinger-Dossier in "Die Zeit" vom 21.08.2003 nahm Nelles Stellung: Unter der Überschrift "Die Meinungsmacher" stellte er folgenden Text auf die Seite des virtuellen Hellinger-Instituts.

Versehen mit der offenbar ironisch gemeinten Überschrift "So reagieren also die Hellinger-Anhänger..." wurde die Nelles-Replik auch in das hellinger.com-Forum übertragen (von einem User, der sich, besonders witzig, des Nicknamens "Dalai Goldner" bediente):


So reagieren also die Hellinger-Anhänger...
Dalai Goldner - Mon. 29.09.2003
Thema:

Zum Dossier "Da sitzt das kalte Herz!" über Bert Hellinger und das Familien-Stellen in "DIE ZEIT 21.08.2003 Nr.35. 

Die Meinungsmacher 

Von Wilfried Nelles 

Das Volk hat abgestimmt: Das von Bert Hellinger entwickelte Familien-Stellen ist die erfolgreichste, am meisten nachgefragte und damit - in den Augen der Nachfrager - beste Beratungs- und Therapiemethode, die derzeit für Menschen, die Hilfe benötigen, im Angebot ist. Kritiker - Journalisten, der eine oder andere weniger erfolgreiche Kollege - und von ihm bemühte "Experten" - wiederum zumeist weniger erfolgreiche Kollegen - sehen dies anders: Hellinger sei ein dubioser Heilsbringer und das Familien-Stellen eine mal ineffektive, auf Einbildung basierende, mal gefährliche Therapiemethode. Was denn nun? 

Nun hat DIE ZEIT hat in ihrem "Dossier" (Nr. 35 vom 21. August 2003) dem bereits durch einen Fernsehbeitrag einschlägig ausgewiesenen Hellinger-Kritiker Martin Buchholz Gelegenheit gegeben, sein (Besser-)Wissen auf drei Seiten auszubreiten. Ich möchte hier weder den Anspruch stellen, über die Wahrheit zu verfügen, noch breite Zustimmung als alleinige Legitimation für das Familienstellen reklamieren. Ich halte es aber für angebracht, einmal Form bzw. Art und Weise dieser Kritik zu untersuchen. Denn nicht erst seit Rudi Völlers "Ausraster" im Fernsehstudio, der für einen Moment wirkliches und gutes Reality-TV hervorbrachte, ist klar, dass Kritik in Deutschland häufig eine Form annimmt, die danach trachtet, die Mutigen und Erfolgreichen, die sich aus dem Mittelmaß erheben, zur Strecke zu bringen - manchmal, nachdem man sie zuvor in den Himmel gehoben hat. 

Zunächst einmal zu den Fakten: Das Familien-Stellen ist die erfolgreichste Therapiemethode der letzten Dekade, Bert Hellinger der weltweit bekannteste und - wahrscheinlich - zur Zeit meist gelesene Therapeut. Der Erfolg ist ablesbar an der Auflage seiner Bücher (und der Bücher anderer Therapeuten über das Familien-Stellen), die die Millionengrenze überschritten hat, an deren Übersetzung in fast alle europäischen Sprachen sowie ins Chinesische, Japanische, Koreanische und andere außereuropäische Sprachen, an der Zahl der Therapeuten und anderer Berater, die die Methode inzwischen anbieten, sowie an der Zahl der Kurse und der Teilnehmer, die diese Kurse besuchen und weiter empfehlen. Dies sind einige äußere Merkmale, die nicht bestritten werden. Sie sind zugegeben rein quantitativ. 

Aber in einer Gesellschaft, die sowohl am Markt wie in der Politik durch die - rein quantitative - Kaufentscheidung oder Stimmabgabe gesteuert wird, sollte dies zumindest als Anzeichen gewertet werden, dass an der Sache etwas dran sein könnte, dass eine Leistung, die so stark nachgefragt wird, eine gewisse Qualität enthalten könnte. Tut es aber nicht. Im Gegenteil: Der große Erfolg des Familienstellens wird umstandslos als Indiz gewertet, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugeht, und die Nachfrage und Zufriedenheit der Klienten als deren Dummheit, Harmoniesucht und Verführbarkeit. Dabei bedient man sich schamlos teils plumper, teils raffinierter Manipulationstechniken - und tut damit genau das, was man Hellinger und seinen Kollegen vorwirft. Dabei erscheint der ZEIT-Artikel, verglichen mit anderen Veröffentlichungen der letzten Jahre in FOCUS und SPIEGEL, auf den ersten Blick noch recht ausgewogen. Vielleicht ist er gerade deswegen aber besonders geeignet, einige Grundmuster dieser Kritik, die sicher nicht nur die Berichterstattung über das Familien-Stellen betreffen, herauszuarbeiten. 

Die entscheidende Botschaft steckt schon in der Überschrift, dem fetten Vorspann und der Bebilderung: Die Überschrift lautet: Da sitzt das kalte Herz! Dies ist eine Aussage, die Hellinger einmal in einer konkreten Situation zu einer Klientin gemacht hat. Hier ist sie, ohne Anführungszeichen, unter ein Bild Bert Hellingers platziert. Damit ist klar, worauf sie zielt. 

Das Bild Hellingers ist, wie alle anderen Fotos (insgesamt zwölf), sehr grobkörnig und unscharf. Damit entsteht der Eindruck, dass hier etwas Verschleiertes, Unscharfes, Unbestimmbares abläuft, quasi im Halbdunkel. Der Autor wird vielleicht anführen, damit die abgebildeten Klienten unkenntlich gemacht und geschützt zu haben. Dies gilt aber erstens nicht für die Person Hellingers, dessen Gesicht durch die Grobkörnigkeit wesentlich gröber erscheint als auf normalen Fotos (was die Aussage der Überschrift suggestiv unterstützt), und zweitens verfügte der Autor über ausgezeichnetes Bildmaterial aus Aufstellungen, das explizit seitens der Abgebildeten zur Veröffentlichung freigegeben war. Diese Aufnahmen hatte er nämlich für einen in der ARD ausgestrahlten Filmbeitrag anlässlich eines Hellinger-Kongresses gemacht. Während er die Hellinger-Fotos aus diesem Film (verfremdet) benutzte, wählte er für die Aufstellungsszenen Bilder, die er in der kleinen Praxis eines Anfängers gemacht hatte. 

Wer nach diesen ersten visuellen Eindrücken noch nicht weiß, was vom Familien-Stellen zu halten ist, der ist spätestens nach dem Vorspann informiert: Nach Hellingers Methode arbeiten demzufolge nämlich keine Psychologen, Therapeuten, Berater, Pädagogen oder Seelsorger, sondern "schon 2000 Jünger". Und weiter: "Was sie und ihr Meister treiben, ist unter Experten höchst umstritten" (Hervorhebungen W.N.). Alles klar? "Meister" , "Jünger", "treiben" -- wenn das keine Sekte ist... 

Nun gut, es könnte ja so sein. Aber das sollte dann auch bewiesen werden. Was hat Herr Buchholz also inhaltlich zu bieten? 

Zunächst einmal unterteilt er in "Jünger" und "Experten". Damit unterstellt er, dass die Therapeuten, die sich, oft nach langer innerer Auseinandersetzung, für die Praktizierung der Hellinger-Methode entschieden haben, keine Experten seien. Dies ist schlicht falsch: Die psychologische, pädagogische und soziologische Sachkompetenz unter den Familienstellern ist mindestens so groß wie die der sog. "Experten". Eine Handvoll Kritiker werden zu Experten stilisiert, während 2000 Familiensteller, von denen zumindest einige hundert auch vorher sehr erfolgreich und reputiert waren, als eifernde Jünger abgewertet werden. 

Hauptkronzeuge und Experte wider Hellinger ist ausgerechnet Prof. Fritz B. Simon. Simon ist ein hervorragender Wissenschaftler und systemischer Therapeut, hat aber ein persönliches Problem damit, dass der Begriff "systemische Therapie" , um den er sich große Verdienste erworben hat, über den engeren Fachkreis hinaus in Deutschland durch Hellinger populär wurde und diesem in der breiteren Öffentlichkeit zugeschrieben wird, anstatt seinem Mitbegründer Simon. Daher hat er ein starkes - und legitimes - Bedürfnis, sich von Hellinger und dessen Arbeit, die sich von seinem Ansatz unterscheidet, inhaltlich abzugrenzen. Dies hindert ihn aber nicht daran, zusammen mit seinem Senior-Partner Gunthard Weber, einem zum "Hellinger-Jünger" mutierten Pionier der systemischen Therapie in Deutschland, Hellingers Bücher und Videos zu verlegen (im Carl-Auer-Systeme Verlag, der Simon und Weber gehört). 

Ganz so schlecht kann das Familien-Stellen in den Augen des als Zeugen der Anklage herangezogenen Experten Simon also nicht sein, wenn er Hellingers Schriften zu verbreiten hilft. Simons ernsthaftes Interesse an der Hellinger-Methode bekundet sich auch darin, dass er Doktoranden wissenschaftlich untersuchen lässt, ob das, was die Stellvertreter der Familienmitglieder in einer Aufstellung empfinden, tatsächlich valide ist und sich unter experimentellen Bedingungen wiederholen lässt. Nach eigener Aussage hat Prof. Simon dem ZEIT-Autor Buchholz auch gesagt, dass die vorläufigen Ergebnisse dieser Studien darauf hindeuten, dass tatsächlich unterschiedliche Stellvertreter am selben Platz das Gleiche empfinden - also eine klare Bestätigung der Hellingerschen Methode. Dies passt aber nicht in den Tenor des Artikels, also wird es nicht erwähnt. 

Ebenso wird weggelassen, dass es bereits eine veröffentlichte Doktorarbeit gibt (Gert Höppner: "Heilt Demut - wo Schicksal wirkt?", Profil Verlag 2001), die erstaunlich positive Wirkungen des Familien-Stellens in mehrfacher Hinsicht wissenschaftlich nachweist. Stattdessen die mehrfach fallen gelassene Bemerkung, wissenschaftlich sei dies alles höchst suspekt. Dabei ist es schon erstaunlich, dass es nach so kurzer Zeit überhaupt schon Ansätze von Wirkungsstudien gibt, die in der Psychotherapie äußerst aufwändig, schwierig und langwierig (und auch dann noch höchst umstritten) sind. Umso mehr Aufmerksamkeit müsste man deshalb den vielen Fallberichten widmen, in denen eine - zumeist sehr positive - Wirkung des Familien-Stellens auf die Familienbeziehungen, die seelische und sogar die körperliche Verfassung und Gesundheit der Klienten berichtet wird. 

Da diese Berichte nicht wegzudiskutieren sind, bedient sich Martin Buchholz eines einfachen Tricks: Er wertet sie als Einbildung, mit Formulierungen wie "sie wollen erfahren haben". Und wenn tatsächlich eine jahrzehntelange schwere Migräne nach zwei Aufstellungen verschwunden ist oder ein junges Mädchen nach nur einer Aufstellung von einer schweren Bulimie geheilt ist, was andere Verfahren in mehreren Jahren nicht schafften - dann ist es wissenschaftlich nicht erwiesen, dass die Aufstellung die Lösung gebracht hat. 

Natürlich ist es wissenschaftlich nicht erwiesen, aber dann muss man auch dazu sagen, dass solche direkten Wirkungszuschreibungen wissenschaftlich - das gilt für jede Therapie - kaum nachweisbar sind. Den Betroffenen freilich ist dies egal. Sie wissen es besser und schicken ihre Kinder oder Geschwister oder Eltern oder Freunde zum Familien-Stellen. Sind die alle blöde? 

Sind auch die Ärzte, Heilpraktiker und niedergelassenen Psychotherapeuten alle von Sinnen, die ihren Patienten eine Familienaufstellung empfehlen? Wer auch nur ein wenig tiefer in die Szene hineingeschaut hat, weiß, dass die Verbreitung von Hellingers Ansatz ganz entscheidend von dieser Kooperation, die sich am praktischen Nutzen und Erfolg für die Patienten orientiert, getragen war und ist. Das ist Herrn Buchholz und seiner Expertenschar keine Überlegung wert. Stattdessen wird, als zweite und einzige Expertin neben Prof. Simon, eine unbekannte Stuttgarter Psychologin zitiert, die das Familien-Stellen in einem Rundumschlag ("einmal mit dem Quirl durch die Soße") erledigt und behauptet, von Patienten überlaufen zu sein, die nach einem Aufstellungskurs "völlig durch den Wind" seien. 

Fragt Herr Buchholz diese "Expertin" dafür nach einem wissenschaftlichen (oder sonstigen) Beleg? Untersucht er die Erfolge und Misserfolge ihrer Arbeit, prüft er ihre Kompetenz? Mitnichten. Er hofiert ihre denunziatorische Behauptung einfach als Expertenbeitrag (im übrigen kommen zu allen Therapeuten Klienten, denen andere Therapeuten nicht helfen konnten, und manche dieser Wechsler meinen auch, ihnen sei geschadet worden). 

Diese Psychologin meint auch, "sexuelle Missbrauchserfahrungen in 30-minütigen Familienaufstellungen kurieren zu wollen (sei) eine Zumutung", bei der sie eine Gänsehaut bekomme. Es mag tatsächlich eine Zumutung sein (die ganze Hellinger-Arbeit ist eine große Zumutung für die Klienten wie für die Fachöffentlichkeit), und ich bekomme auch schon mal eine Gänsehaut - weil es nämlich tatsächlich oft funktioniert! Das ist die eigentliche Meldung, die seltsamerweise verschwiegen wird: dass es - in sehr vielen Fällen - tatsächlich funktioniert! 

Dies ernstzumehmen ist allerdings eine wirklich Zumutung, der sich ein Teil der Fachöffentlichkeit und ein großer Teil der Medienöffentlichkeit nicht so recht stellen will. Denn dies würde zur Folge haben, dass einige Glaubenssätze auf den Prüfstand kämen. Das so heiß geliebte Leiden an der Moderne verlöre seine schicksalhafte Notwendigkeit, wenn man sich der von Hellinger und seinen Kollegen vermittelten Erfahrung aussetzen würde, dass Lösungen tatsächlich möglich sind. Wie sagt Großkritiker Simon zu Recht: "Wer zu Hellinger geht, braucht sich nicht mehr nachts im Bett herumzuwälzen: ‚Mach ich es so oder so?'." Anders als Simon behauptet, bekommt er dies in einer Familien-Aufstellung aber nicht vom Therapeuten (sozusagen ex cathedra) gesagt, sondern es zeigt sich - wenn es sich denn zeigt - ohne Einfluss von außen aus dem Aufstellungsprozess heraus, was er zu tun hat. 

In der Regel geben Aufsteller und gibt eine Aufstellung aber keine Handlungsanweisung, sondern bringen lediglich im seelischen Bereich etwas "in Ordnung", was vorher durcheinander oder gar "ver-rückt" war. Die praktische Lösung ergibt sich dann oft von selbst, und die Klienten stellen nach einiger Zeit erstaunt fest, dass sich ihr Problem gebessert oder gar erledigt hat. Ist das zu viel des Guten? 

Freilich ist auch das Familien-Stellen kein Wunder- und Allheilmittel. Dies behauptet weder Hellinger noch ein anderer seriöser Aufsteller. Im Gegenteil: Gerade Hellinger sagt Klienten oft: "Da kann man nichts machen", was von anderen Therapeuten wiederum als zu hart und überheblich empfunden wird. Über das "Man" kann man sicherlich streiten (ich selbst sage in einem solchen Fall, wie die meisten meiner Kollegen, "ich"), aber die Einsicht in die Begrenztheit therapeutischen Wirkens allgemein und auch der eigenen Methode kann man Hellinger nicht ernsthaft absprechen. 

Gerade das Aussprechen und Aushalten dieser Begrenztheit ist eines der wichtigsten Mittel des Hellinger-Ansatzes. Die Unterstellung, Aufstellungen seien ein Allheilmittel, kommen eher von Hellingers Kritikern, nicht selten auch von Klienten. Genährt wird sie möglicherweise auch von Randerscheinungen der Aufstellerszene, etwa von allzu begeisterten Neu-Aufstellern. Dass sich dort manchmal jüngerhaftes Verhalten und unverdautes Nachahmertum zeigt, ist aber kein Spezifikum des Familien-Stellens, sondern haftet jeder großen Entwicklung oder Bewegung an. 

Eine Kritik daran wird aber nur wirken, wenn sie in einer angemessenen Relation zum Ganzen geübt wird und nicht Auswüchse und Randerscheinungen als angeblich charakteristisch darstellt. Im Übrigen hat der Markt eine erstaunliche Auslese- und Bereinigungsfähigkeit. Schon jetzt zeigt sich, dass nach einigen Jahren des ungebremsten Booms eine Konsolidierung und Differenzierung stattfindet: Wer sich als Aufsteller etablieren will, muss gute Leistungen vorweisen, sonst ist er nach kurzer Zeit draußen. Die Nachfrager sind längst nicht so dumm und unkritisch, wie Kritiker Bucholz unterstellt. 

Das perfideste Stilmittel von Martin Buchholz ist die unterschwellige Suggestion. Da sie fast in jedem Satz auftaucht, aber nie explizit etwas behauptet, sondern lediglich durch sprachliche Mittel suggeriert, ist sie nur nachweisbar, indem man den gesamten Artikel wiederholt und die Suggestivwörter und suggestive Bezüge unterstreicht. Ich kann daher nur andeuten, wie es funktioniert. So schreibt Buchholz über Hellinger (Hervorhebungen W.N.): "Auf seinem schütteren weißen Haarkranz liegt das grelle Scheinwerferlicht (will sich da jemand als Heiliger ins Licht setzen?); Hellinger, erkennt Buchholz mit unfehlbarem Durchblick, spricht "wie einer, der jedes seiner Worte genießt" (ein narzistischer Selbstdarsteller also); er sagt auch nicht etwas, sondern er "verkündet". 

Seine Therapiemethode ist anscheinend auch nicht offen in Erscheinung getreten (trotz der zig Bücher in hunderttausendfacher Auflage), sondern hat, so Buchholz, "den Psychomarkt schleichend, aber stetig unterwandert (was einfach Quatsch ist, aber eben subversiv wirkt, wie es sich für Sekten gehört). Das Interview mit Hellinger bewertet Buchholz als "Audienz", weil "Hellinger seine Erkenntnisse nicht diskutiert", sondern nur "die Gunst gewährt, sie mitzuteilen" (wieder wird der Guru suggeriert) - als sei ein Interview je etwas anderes als das Stellen und die Beantwortung von Fragen (die Hellinger alle ausführlich beantwortet hat). Und so weiter. 

Ähnlich die sublimen Konnotationen bei der Widergabe der Erfahrung von Kursteilnehmer: Da wird doch tatsächlich von "aufgeklärten Bürgern" "ernsthaft behauptet, die Familienaufstellung habe ihr Leben verändert" (sie hat dies, wie Buchholz anscheinend weiß, natürlich nicht - wer ist hier eigentlich der allwissende Guru?) Bei Buchholz haben "Tausende von Hilfesuchenden" eine Aufstellung nicht "als heilsam erlebt", sondern sie "wollen" sie "als heilsam erlebt haben". So geht das durch den ganzen Artikel - hier ein anzügliches Attribut, dort ein Konjunktiv, ein rhetorisches Fragezeichen, ein "Man sagt" oder Ähnliches. Hier werden alle journalistischen Regeln, die ich selbst als studentischer Aushilfsreporter einmal eingebläut bekommen habe, mit Füßen getreten. 

Bleibt noch der tragische Fall einer Frau, die sich vor sechs Jahren nach einer Aufstellung bei Bert Hellinger das Leben genommen hat. Was tatsächlich zu dieser Tat geführt hat, weiß niemand. Vielleicht ist Hellinger einmal zu weit gegangen, vielleicht hat er etwas übersehen, vielleicht hat er aber auch nur einfach gesehen, an welchem Punkt die Frau stand und - als letztes Mittel - versucht, ihr dies klarzumachen, indem er es aussprach ("Die Frau geht. Die kann keiner mehr aufhalten. Das kann auch Sterben bedeuten"). Wie auch immer: Niemand weiß, was wirklich in ihr vorgegangen ist und welchen Anteil Hellingers Worte oder die Aufstellung an ihrer Entscheidung hatten. 

Und jeder ernsthafte Therapeut weiß, dass Leben und Tod nicht in seiner Macht stehen, und viele, die mit seelisch schwer belasteten Menschen arbeiten, haben schon ertragen müssen, das sich einer umgebracht hat - trotz Therapie. Herr Buchholz hat nicht den Hauch einer Ahnung, wovon diese Frau getrieben wurde, und er hat nicht nachgefragt, wie viele Menschen Bert Hellinger genau durch diese seine Arbeit schon davon abgehalten hat, sich umzubringen, aber er scheut sich (wie mancher Kollege) nicht, diesen einen Fall nach Jahren noch einmal aufzukochen. Wie immer behauptet er aber auch hier nicht frank und frei, Hellinger habe den Tod dieser Frau verschuldet, sondern er suggeriert dies nur, indem er über den Fall scheinbar neutral, aber dramaturgisch genau platziert, berichtet. 

Der Autor Dr. Wilfried Nelles ist Sozialwissenschaftler, Systemtherapeut, Familien-Steller und Autor der Bücher "Liebe, die löst. Einsichten aus dem Familien-Stellen" (Carl-Auer-Systeme Verlag, 2002) und "Das Hellinger-Prinzip. Klärungen und Informationen" (Verlag Herder, 2003 Mediashop) 
 
        


Im www.hellinger.com-Forum wurde der Nelles-Beitrag u.a. wie folgt kommentiert (mithin von besagtem Witzbold, der sich, haha, des Nicknamens "Dalai Goldner" bediente). Auch hier ist alles gesagt, was gesagt werden musste: 


So reagieren also die Hellinger-Anhänger...
a.melanek - Mon, 29.09.2003
Titel:    

Ob und wie "die" Hellinger-Anhänger ragieren, weiß niemand. Der einzige, der was öffentlich sagt, ist Wilfried Nelles, man weiß also bestenfalls, wie er reagiert. 

Auch in seiner Reaktion auf den Beitrag in Die Zeit tut Nelles nicht viel anderes, als das, was er in seinem Büchlein getan hat, das eine Reaktion auf das Goldner-Buch darstellen soll: Er führt in keiner Zeile eine Auseinandersetzung mit den Inhalten der vorgetragenen Kritik. Vielmehr macht er sich an unerheblichen Formalia fest, an persönlichen Anwürfen gegen den Autor, an irgendwelchen Nebenaspekten und bewegt sich im übrigen auf einer Art selbstkonstruierter Metaebene, von wo aus er irgendwelche "Suggestionen" entschlüsselt, die irgendwo versteckt sein sollen. Zu den Inhalten selbst kein Wort

Und warum das alles? Wohl weil den Inhalten der Kritik nichts entgegenzusetzen hat. 

Auch bei der Kritik an Sekten-Guru Baghwan Osho Rajneesh, dem Nelles dem Vernehmen nach als "Swami Amano Wilfried" anhängt, bediente man sich dieser Strategie. Für einen Sozialwissenschaftler ist derlei ziemlich mager. 


So reagieren also die Hellinger-Anhänger...
Dalai Goldner - Mon, 29.09.2003
Titel:
 
(...) Im Übrigen enthält die sogenannte "Kritik" keinerlei substantiellen Inhalt, mit dem man sich auseinandersetzen könnte, daher bleibt nur die Polemik zu enthüllen, die aus jeder Zeile tropft. 

Die Kritiker zitieren sich gegenseitig und nennen das dann wissenschaftlich. In Wahrheit ist es die Selbstbestätigung eines geschlossenen Systems. 
 


So reagieren also die Hellinger-Anhänger...
Egon - Die, 30.09.2003
Titel: Nelles und die Wissenschaft   

Nelles hat folgendes geschrieben: 

Zitat: Zunächst einmal zu den Fakten: Das Familien-Stellen ist die erfolgreichste Therapiemethode der letzten Dekade, Bert Hellinger der weltweit bekannteste und - wahrscheinlich - zur Zeit meist gelesene Therapeut.  

Hellinger hat folgendes geschrieben: 

Zitat: Auch wenn das Familien-Stellen offensichtlich bei vielen psychotherapeutischen oder medizinischen Problemen hilft, ist es deswegen noch keine Psychotherapie oder Krankenbehandlung
(http://www.hellinger.com/deutsch/virtuelles_institut/grundlagen_voraussetzungen/
familienstellen_standortbestimmung_2003_05.shtml) 

Zitat: Keine Erfolgskontrollen  [Gespräch zwischen Linz und Hellinger]
LINZ Manchmal erweckst Du den Eindruck, daß Du über die Wirkung Deiner Arbeit keine Rückmeldung brauchst und sie auch nicht haben willst. Warum? 
HELLINGER Ich brauche schon Rückmeldungen. Die Hauptrückmeldung bekomme ich während der Arbeit selbst, wenn ich die unmittelbare Betroffenheit sehe. ... 
LINZ Hat es einen therapeutischen Sinn, nicht nach dem Erfolg zu fragen? 
HELLINGER Das ist eine wichtige Frage und sie liegt mir auch am Herzen. Also, ich freue mich, wenn ich nach einiger Zeit so auf Umwegen eine Rückmeldung bekomme, daß es jemandem gut geht. Aber ich würde ihn nicht danach fragen und zwar deswegen, weil ich mich nicht zwischen ihn und seine Seele stelle .... Daher kann ich mich, wenn ich meine Arbeit getan habe, zurückziehen ohne weiter nachzuforschen. Wenn ich aber neugierig werde und nachforschen will, traue ich diesen Kräften nicht mehr, und das wirkt sich schlimm aus, sowohl für mich als auch für den Klienten, weil sie mich und ihn dann verlassen. 
LINZ Wenn also ein Klient Dir voller Freude mitteilt, daß die Therapie erfolgreich war, ist das für Dich in Ordnung oder macht es Dich befangen? 
HELLINGER Ich grenze mich davon ab als einer Versuchung zur Macht. 
LINZ Kann es auch eine Versuchung sein, dadurch Regeln zu erkennen und sich dann mehr auf die Regeln zu verlassen als auf den Augenblick und was er zeigt? 
HELLINGER Das ist das gleiche. Auch das wäre eine Versuchung zur Macht. Sobald ich mich von einer solchen euphorischen Rückmeldung leiten lasse, verliere ich den Boden unter den Füßen und meine Klarheit. Und ich verliere Kraft. Ich bin dann nicht mehr frei. Wenn ich möglichst wenig weiß, bin ich am meisten bei mir und gesammelt. Deswegen will ich von Klienten auch nicht wissen, was er schon vorher alles zur Lösung seiner Probleme gemacht hat. So bin ich völlig unbefangen.  
(http://www.hellinger.com/deutsch/virtuelles_institut/grundlagen_voraussetzungen/
texte_ordnungen_der_liebe/nachfragen.shtml)

Frage an Nelles: Wie kann irgendjemand eine Therapie für die erfolgreichste halten, wenn sie keine Therapie ist und keine Erfolgskontrollen für sinnvoll bzw. für schädlich erachtet werden? 

Nelles hat folgendes geschrieben: 

Zitat: Bert Hellinger der weltweit bekannteste und - wahrscheinlich - zur Zeit meist gelesene Therapeut. 

Frage an Nelles: 

Wie kann ich erkennen, dass Hellinger bekannter ist andere Therapeuten? Woran kann ich merken, dass er aktuell häufiger gelesen wird, als Siegmund Freund, Erich Fromm, Eric Berne ...? 

Nelles hat folgendes geschrieben: 

Zitat: Der große Erfolg des Familienstellens wird umstandslos als Indiz gewertet, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugeht, und die Nachfrage und Zufriedenheit der Klienten als deren Dummheit, Harmoniesucht und Verführbarkeit.  

Zum Zeit-Aufsatz von Martin Buchholz:

Der Erfolg wird nicht bestritten. Der Erfolg ist kein Indiz für was anderes. Die Indizien sind wiedergegebene Beobachtungen aus Hellinger-Aufstellungen und Aufstellungen "nach Bert-Hellinger". 

Bitte an Nelles: 

Belegen Sie doch Ihre Behauptungen. Nennen Sie die Autoren, Textstellen und Seitenzahlen. 

Nelles hat folgendes geschrieben: 

Zitat: Das Bild Hellingers ist, wie alle anderen Fotos (insgesamt zwölf), sehr grobkörnig und unscharf. Damit entsteht der Eindruck, dass hier etwas Verschleiertes, Unscharfes, Unbestimmbares abläuft, quasi im Halbdunkel.  

Frage an Nelles: 

Bei Ihnen entsteht ein Eindruck. Woher wissen Sie, dass er bei mir oder anderen auch dieser Eindruck entsteht? 

Nelles hat folgendes geschrieben: 

Zitat: Der Autor wird vielleicht anführen, damit die abgebildeten Klienten unkenntlich gemacht und geschützt zu haben. Dies gilt aber erstens nicht für die Person Hellingers, dessen Gesicht durch die Grobkörnigkeit wesentlich gröber erscheint als auf normalen Fotos (was die Aussage der Überschrift suggestiv unterstützt), und zweitens verfügte der Autor über ausgezeichnetes Bildmaterial aus Aufstellungen, das explizit seitens der Abgebildeten zur Veröffentlichung freigegeben war. 

Frage an Nelles: 

Warum sollen grobkörnige Fotos eher einen Eindruck suggestiv unterstützen, als feinkörnige? Hat der Autor überhaupt etwas mit der Fotoauswahl zu tun? Was ist an den grobkörnigen Fotos falsch? 

Nelles hat folgendes geschrieben: 

Zitat: Wer nach diesen ersten visuellen Eindrücken noch nicht weiß, was vom Familien-Stellen zu halten ist, der ist spätestens nach dem Vorspann informiert: Nach Hellingers Methode arbeiten demzufolge nämlich keine Psychologen, Therapeuten, Berater, Pädagogen oder Seelsorger, sondern "schon 2000 Jünger". Und weiter: "Was sie und ihr Meister treiben, ist unter Experten höchst umstritten" (Hervorhebungen W.N.). Alles klar? "Meister" , "Jünger", "treiben" -- wenn das keine Sekte ist...  

Frage an Nelles: 

Ihre Behauptung klingt plausibel. Ich kann aber in dem Artikel keine Aussage finden, wo sich der Begriff der Sekte oder Assoziationen in diese Richtung finden. Der Begriff Sekte kommt nicht vor, sehr häufig aber der Begriff Szene. Nun kann sich jeder Fragen, ob für eine Szene von der man folgendes sagt, Sekteneigenschaft vorliegt:

Buchholz/ZEIT hat folgendes geschrieben: 

Zitat: Eine wild wuchernde Szene von "Familienaufstellern" aller Art ist entstanden, die in fast allen deutschen Städten ihre Dienste anbieten ... 
Hellingers Allmachtsfantasien gehen selbst vielen seiner Schüler zu weit. Inzwischen ist die Szene gespalten. Während die einen den Lehrer unverdrossen gegen jegliche Kritik verteidigen, wollen andere das Familienstellen im "wissenden Feld" vor seinem Erfinder schützen.  

Nelles hat folgendes geschrieben:

Zitat: Ganz so schlecht kann das Familien-Stellen in den Augen des als Zeugen der Anklage herangezogenen Experten Simon also nicht sein, wenn er Hellingers Schriften zu verbreiten hilft. Simons ernsthaftes Interesse an der Hellinger-Methode bekundet sich auch darin, dass er Doktoranden wissenschaftlich untersuchen lässt, ob das, was die Stellvertreter der Familienmitglieder in einer Aufstellung empfinden, tatsächlich valide ist und sich unter experimentellen Bedingungen wiederholen lässt. Nach eigener Aussage hat Prof. Simon dem ZEIT-Autor Buchholz auch gesagt, dass die vorläufigen Ergebnisse dieser Studien darauf hindeuten, dass tatsächlich unterschiedliche Stellvertreter am selben Platz das Gleiche empfinden - also eine klare Bestätigung der Hellingerschen Methode. Dies passt aber nicht in den Tenor des Artikels, also wird es nicht erwähnt.  

Hellinger und Simon im Gegensatz: 
Eine Quelle für diese angeblich positive Sicht von Simon, können oder wollen Sie nicht nennen. Die Texte, die ich von Simon kenne, geben keinen Beleg her. In "Der Wille zum Schicksal" bezeichnet sich Simon als "radikaler Kontruktivist", der zunächst fasziniert und erschreckt auf den Hellinger Ansatz reagiert habe, sich aber inzwischen anders positioniert. Die Zwischenüberschriften von des Aufsatzes ("Zwei Welten" Simon/Retzer in "Der Wille zum Schicksal") sind die Quintessens der Kritik: Absolute Wahrheit statt wandelbarer Werte - Normative Gleichschaltung statt Eröffnung von Optionen - Ordnungsprinzipien statt Selbstverantwortung - Glaube statt Wissenschaft. 

Frage an Nelles: 

Kann man diese Sichtweise als nicht "Ganz so schlecht." interpretieren? Geht's noch schlechter? 

Nelles hat folgendes geschrieben: 

Zitat: Ebenso wird weggelassen, dass es bereits eine veröffentlichte Doktorarbeit gibt (Gert Höppner: "Heilt Demut - wo Schicksal wirkt?", Profil Verlag 2001), die erstaunlich positive Wirkungen des Familien-Stellens in mehrfacher Hinsicht wissenschaftlich nachweist.  

Frage an Nelles: 

Wenn Sie die Doktorarbeit gelesen haben, warum berichten Sie über die erstaunlichen positiven Wirkungen genauso viel wie Zeit-Autor Buchholz, nämlich nichts? Warum geben Sie wieder mal keine Seitenzahl an? Es gibt also wissenschaftliche Studien, warum bemüht sich niemand hier im Forum oder auf hellinger.com oder sonstwo diese Untersuchungsresultate bekannt zu machen? 

Nelles hat folgendes geschrieben: 

Zitat: Und wenn tatsächlich eine jahrzehntelange schwere Migräne nach zwei Aufstellungen verschwunden ist oder ein junges Mädchen nach nur einer Aufstellung von einer schweren Bulimie geheilt ist, was andere Verfahren in mehreren Jahren nicht schafften - dann ist es wissenschaftlich nicht erwiesen, dass die Aufstellung die Lösung gebracht hat. 

Frage an Nelles: 

Warum geben Sie wieder keine Belegstellen an? 

Nelles hat folgendes geschrieben: 

Zitat: Freilich ist auch das Familien-Stellen kein Wunder- und Allheilmittel. Dies behauptet weder Hellinger noch ein anderer seriöser Aufsteller.  

Letzte Frage an Nelles: 

Anscheinend gibt es unseriöse Aufsteller. Waran kann der Klient sie erkennen? 


So reagieren also die Hellinger-Anhänger...
Dalai Goldner - Die, 30.09.2003
Titel: 

@Egon (...) muß eine Behauptung belegbar sein, damit Sie diese glauben können ? und wenn sie belegt werden kann, ist sie dann wahr ? 

Weshalb sind für Sie die persönlichen Eindrücke und Vermutungen (egal ob belegt oder nicht) der Kritiker richtig und die von Herrn Nelles falsch ? 

Da Sie nicht an Gott und das Wunder der Schöpfung glauben, sondern den rationalen Menschen als Gott-Ersatz an die Spitze der Welt stellen, erübrigt sich die weitere Diskussion. 

Aus dem gleichen Grund erübrigt sich eine Podiumsdiskussion zwischen Herrn Colin Goldner und Herrn Bert Hellinger. 

Die dumm-dreiste Frage von Herrn Colin Goldner ob ein zum Christen konvertierter Buddhist nun wiedergeboren wird oder nicht, zeigt, daß dieser Mann seine Pubertät noch nicht abgeschlossen hat. Er ist leider ein weiterer Beweis, daß anti-autoritäre Erziehung seelisch-geistige Krüppel produziert, denen im Wesentlichen das Herz fehlt. (...)

Gott schert sich nicht darum, ob Herr Colin Goldner an ihn glaubt oder nicht. Allerdings ist Gott auch großzügiger als ich, ich ließe die Sonne nicht über Herrn Colin Goldner scheinen. Zumindest scheint sie nicht in seinem Herzen und das ist Strafe genug. 


So reagieren also die Hellinger-Anhänger...
a.melanek: Die, 30.09.2003 
Titel:    

@DL: ein paar Antworten in Kürze, so daß Ihr Nonsens nicht einfach so im Raume stehen bleibt: 

Zitat: muß eine Behauptung belegbar sein, damit Sie diese glauben können ?  

Nein, aber es hilft. Im übrigen muß eine Behauptung einigermaßen plausibel sein, daß ich mich überhaupt damit befasse. Ansonsten ja, Belege (Außerirdische im Vorgarten...). 

Zitat: und wenn sie belegt werden kann, ist sie dann wahr ?  

Eine theologische Frage, außerhalb meiner Beurteilungsmöglichkeit. Popper lesen! 

Zitat: Weshalb sind für Sie die persönlichen Eindrücke und Vermutungen (egal ob belegt oder nicht) der Kritiker richtig und die von Herrn Nelles falsch ?  

Der Umstand beispielsweise, daß die meisten Hellinger-Therapeuten über keine rechtliche Zulassung zur Ausübung der Heilkunde verfügen, auch Hellinger selbst und Nelles nicht, ist kein "Eindruck" sondern (Straf-)Tatbestand. 

Zitat: Da Sie nicht an Gott und das Wunder der Schöpfung glauben, sondern den rationalen Menschen als Gott-Ersatz an die Spitze der Welt stellen, erübrigt sich die weitere Diskussion.  

Unabhängig davon, ob Ihre Behauptung über Egon stimmt: Da fängt's meines Erachtens erst an. 

Zitat: Aus dem gleichen Grund erübrigt sich eine Podiumsdiskussion zwischen Herrn Colin Goldner und Herrn Bert Hellinger.  

Weil Egon nicht an Gott glaubt??? Und woher wissen Sie, daß er das nicht tut? 

Zitat: Die dumm-dreiste Frage von Herrn Colin Goldner ob ein zum Christen konvertierter Buddhist nun wiedergeboren wird oder nicht, zeigt, daß dieser Mann seine Pubertät noch nicht abgeschlossen hat. Er ist leider ein weiterer Beweis, daß anti-autoritäre Erziehung seelisch-geistige Krüppel produziert, denen im Wesentlichen das Herz fehlt.  

Ich finde die Frage hochintelligent, es ersparte dem gläubigen Buddhisten, auch dem Hindu, die endlosen und ewig leidvollen Kreisläufe im Samsara, wenn er einfach zum Christentum konvertierte. Ein Leben, fertig, schon ist man am Ziel. Gibt's denn eine theologische Antwort auf diese Frage, buddhistisch oder christlich? Antiautoritär denkende Menschen kommen halt auf Fragen, die autoritären Charakteren "dumm-dreist" erscheinen müssen. Eine Antwort ist derlei platte Diffamierung natürlich nicht. Ebensowenig der Anwurf des "seelisch-geistigen Krüppels", der mir allein von seiner Diktion her untragbar scheint. Aus dem Wörterbuch des Unmenschen. Und Sie reden von "Herzensbildung"??? 

Zitat: Gott schert sich nicht darum, ob Herr Colin Goldner an ihn glaubt oder nicht. Allerdings ist Gott auch großzügiger als ich, ich ließe die Sonne nicht über Herrn Colin Goldner scheinen. Zumindest scheint sie nicht in seinem Herzen und das ist Strafe genug.  

Woher wollen Sie letzteres wissen, und was heißt das überhaupt? Im übrigen bin ich überzeugt, daß es Colin Goldner nicht schert, ob Gott sich darum schert, ob er an ihn glaubt oder nicht. Vermutlich schert es Goldner auch nicht, daß irgendein hergelaufener Schwachkopf unter seinem verballhornten Namen ("Dalai Goldner") und unter dem Deckmantel der Anonymität irgendwelchen Unsinn ins Netz stellt. 


Die Auseinandersetzung um das Nelles-Büchlein konnte nicht fortgeführt werden, da am 30.09.2003 das Forum geschlossen wurde.

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NACHTRAG: Im Buch von Goldner et al. heißt es zu Wilfried Nelles unter anderem:
             
Interessant ist  vor allem auch das Programm des Kölner Osho-Verlages, der dem internationalen Psychokultimperium zugehört, das der indische Guru Bhagwan/Osho Rajneesh, verstorben 1990, der Welt hinterlassen hat. Ausgerechnet in diesem Osho-Verlag, genauer: in dessen sogenannter Edition Innenwelt, veröffentlichte nun besagter Wilfried Nelles, langjähriger Vertrauter Hellingers und IAG-Listenaufsteller der ersten Stunde, sein neuestes Werk: Wo die Liebe hinfällt: Gespräche über Paarbeziehungen und Familienbande (2002b). Nelles, vor Jahren schon als Esotera-Autor in Sachen Hellinger in Erscheinung getreten (1997), geriet dieser ostentativen Nähe zum Rajneesh-Kult wegen innerhalb der IAG keineswegs in Verruf, ganz im Gegenteil: Wie andere Rajneesh-nahe AufstellerInnen auch wird er auf der offiziellen IAG-Aufstellerliste geführt, selbstverständlich wird für ihn und seine Schriften auf der IAG-website geworben, auf der er - gar als "Lehrtherapeut für Familienaufstellen" - entsprechend verlinkt ist. (Für ein anderes seiner Bücher, "Liebe, die löst" [2002a], ließ gar Hellinger höchstpersönlich sich zu einer lobenden Rezension herbei: "Ein tiefes und ein spannendes  Buch, auf der Höhe der Entwicklung des Familienstellens, wegweisend und zugleich bescheiden" [Hellinger, 2002m]). Nelles, szenebekannt unter seinem Rajneesh-Sektennamen Swami Amano Wilfried und (ehedem?) als Meditationsleiter und Reinkarnationstherapeut zugange, publiziert eifrig im IAG-Organ Praxis der Systemaufstellung und findet sich mithin auf der Referentenliste des Internationalen Hellinger-Symposiums im November 2002 in Karlsruhe wieder (gleich neben Jirina Prekop oder Rajneesh-Anhängerin Victoria "Sneh" Schnabel). Wie die meisten Figuren des Metiers hat er keine ernstzunehmende psychotherapeutische Qualifikation und, ganz wie Hellinger selbst, auch keine Approbation.


in: Goldner, C.: Esoterischer Firlefanz. in: ders. (Hrsg.) Der Wille zum Schicksal: Die Heilslehre des Bert Hellinger. Wien, 2003, S.123f.



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